Öffentliche Autos sind auch Individualverkehr
Um der darbenden Autoindustrie auf die Beine zu helfen, wird inzwischen oft über öffentliche Formen des Carsharing nachgedacht. Ähnlich der Call-A-Bikes der deutschen Bahn sollen dabei Autos auf den Straßen herumstehen, die jeder benutzen kann. Abgerechnet werden soll pro Zeit und eventuell pro gefahrener Strecke.
Auf den ersten Blick klingt es wie eine wunderbar soziale Idee, die auch noch Parkplätze spart. In einem gewissen Rahmen ist das sicher auch so, denn ein Auto, das von mehreren Haushalten genutzt wird, steht weniger als die üblichen 23,5 Stunden am Tag herum.
Auf den zweiten Blick fragt man sich aber, ob damit einfach die Angst um die autogerechte Stadt der Zukunft ihren Ausdruck findet. Schließlich warnen inzwischen sogar die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe und die Internationale Energieagentur davor, dass das Öl bald knapp wird. Wer das wissen wollte, konnte es schon vor Jahren wissen - Stichwort "Peak Oil" - aber jetzt kommt es auch im Mainstream an.
Und wenn die Privaten keine Autos mehr wollen, beim Laden um die Ecke einkaufen, in der Nähe ihrer Arbeit ziehen und zuhauf aufs Fahrrad umsteigen - wer soll dann noch Autos kaufen? Offensichtlich der Staat, um sie dann den Menschen vor die Nase setzen, die sich gerade an die Freiheit vom motorisierten Individualverkehr gewöhnen.
Denn ein öffentliches Auto ist immer noch Individualverkehr. Man sitzt immer noch alleine in 1,5 Tonnen Blech, schottet sich von jeder menschlichen Begegnung ab und schleudert sich mit 14 Metern pro Sekunde durch Wohngebiete. Wem dieses Fahrzeug gehört, ist sowohl für den Fahrer als auch die anderen Verkehrsteilnehmer zweitrangig.